Ihr Becker Rohrmotor fährt nicht mehr bis nach oben, stoppt zu früh, läuft in die falsche Richtung oder hat seine Endlagen verloren? In vielen Fällen ist das kein Motorschaden, sondern eine Frage der Programmierung. Becker hat über die Jahre sehr unterschiedliche Antriebstypen gebaut, vom rein mechanischen Endschalter bis zum Antrieb mit Geschwindigkeitsregelung. Diese Anleitung zeigt, wie Sie Ihren Typ bestimmen und wie die Endlagen bei jedem dieser Typen gesetzt und gelöscht werden. Grundlage ist das Becker Monteurhandbuch.
Zuerst: welcher Becker Antrieb ist verbaut?
Auf dem Typenschild am Motorkopf steht die Typenbezeichnung, zum Beispiel R 8/17 C M oder R8-E03. Sie lässt sich Zeichen für Zeichen lesen:
- P, R oder L am Anfang ist die Antriebsgröße, also der Rohrdurchmesser: P sind 35 mm, R sind 45 mm, L sind 58 mm.
- Die Zahl danach ist das Nennmoment in Newtonmeter, eine zweite Zahl nach dem Schrägstrich die Abtriebsdrehzahl, zum Beispiel 8/17.
- C steht für eine steckbare Anschlussleitung.
- M steht für mechanische Endabschaltung.
- R an dieser Stelle steht für elektronische Endabschaltung für Rollladen.
- P steht für Punkt zu Punkt programmierbar.
- O steht für die sensible Hinderniserkennung.
- F steht für einen integrierten Funkempfänger, B für B-Tronic Funk, C am Ende neuerer Typen für Centronic Funk.
- Ein Plus bedeutet, dass der Antrieb für Hochschiebesicherungen geeignet ist.
- Die Seriennummer beginnt mit Baujahr und Kalenderwoche, aus 08 40 961630 wird also Jahr 2008, Woche 40.
Die wichtigsten Baujahre auf einen Blick: RF(+) 2000 bis 2002, PicoR+ 1999 bis 2007, R(+) 1997 bis 2009, PRF+ ab 2003, PR+ ab 2005, RP(+) ab 2009, PROF+ ab 2009, RO(+) ab 2010, B01 ab 2012, C01 ab 2013, E01 ab 2014, E02 und E03 ab 2016, E14 ab 2017, EVO 20 R ab 2018.
Antriebstyp mit dem Einstellset bestimmen
Steht auf dem Typenschild nichts mehr Lesbares, bestimmen Sie den Typ über das Becker Einstellset. Die Adern der Antriebsleitung werden farbgleich mit den Adern des Einstellsets verbunden. Dann drücken Sie die Programmiertaste für 2 Sekunden:
- Der Antrieb gibt ein lautes Geräusch von sich, ohne dass die Welle sich dreht: es ist ein Typ M. Wechseln Sie sofort auf ein für Typ M geeignetes Einstellset.
- Der Antrieb klackt 2 Mal: es ist ein R(+) oder ein PicoR+.
- Der Antrieb klackt 1 Mal oder reagiert gar nicht: es ist ein RP(+), RO+, PR+, RF(+), PRF+, PROF+ oder B01.
Im zweiten Schritt fahren Sie den Antrieb etwa 3 Umdrehungen und drücken die Programmiertaste erneut 2 Sekunden. Klackt er wieder, ist damit eine zweite Endlage gesetzt. Fahren Sie 1,5 Umdrehungen zurück und führen Sie die Löschsequenz am Einstellset aus. Klackt der Antrieb dabei 2 Mal, ist es ein RP(+), RO(+) oder PR+. Drücken Sie die Programmiertaste noch einmal: klackt er wieder 2 Mal, ist es ein RO(+), klackt er 1 Mal, ist es ein RP(+) oder PR+. Diese beiden unterscheiden Sie, indem Sie 3 Umdrehungen aus der Endlage fahren. Fährt der Antrieb ohne Unterbrechung durch, ist es ein PR+, stoppt er kurz und fährt weiter, ist es ein RP(+).
Zeigt der Antrieb bei alldem keine Reaktion, hat er einen integrierten Funkempfänger, also RF(+), PRF+, PROF+, C01 oder B01. Diese Antriebe werden über den Handsender programmiert.
Endlagen über das vorhandene Bedienelement löschen
Bei den neueren Elektronikantrieben brauchen Sie kein Einstellset. Endlagen lassen sich über jeden vorhandenen Schalter oder Taster löschen:
- Fahren Sie den Antrieb zuerst 6 Sekunden in die Auf- oder Abrichtung.
- Geben Sie danach zügig sieben kurze Fahrbefehle und halten Sie den achten Fahrbefehl gedrückt.
- Der Antrieb quittiert das Löschen mit 2 Mal Klacken.
Bei Bedienelementen mit Selbsthaltung, zum Beispiel einer Zeitschaltuhr, muss nach jedem kurzen Fahrbefehl ein STOPP-Befehl folgen. Klackt der Antrieb danach 2 Mal, handelt es sich um einen RO+, E01, E02, E03 oder E14. Führt er statt zu klacken eine kurze Auf- und Abbewegung aus, ist es ein EVO 20 R.
Mechanische Antriebe: Typ M, CM und M04
Diese Antriebe haben keine Elektronik, sondern zwei Endschalter, die an zwei Einstellern am Antriebskopf verstellt werden. Gedreht wird zum Beispiel mit der flexiblen Becker Einstellhilfe, Artikelnummer 4933 200 002 0. Der Pfeil am Antriebskopf gibt die Drehrichtung an. Drehen in Plusrichtung, also im Uhrzeigersinn, erweitert den Fahrbereich, Drehen in Minusrichtung verkürzt ihn. Der maximale Verfahrweg beträgt 38 Umdrehungen der Wickelwelle.
Untere Endlage einstellen: Fahren Sie den Antrieb nach dem Einbau der Welle in Abrichtung, bis er selbsttätig abschaltet. Drehen Sie den zugehörigen Einsteller in Plusrichtung, bis die Welle so steht, dass Sie den Rollladen mit der Welle verbinden können. Schalten Sie die Abrichtung aus und hängen Sie die Federn ein.
Obere Endlage einstellen: Fahren Sie den Rollladen in Aufrichtung, bis der Antrieb abschaltet. Ab Werk ist der Endschalterbereich auf 2 Umdrehungen in jede Richtung voreingestellt, der Antrieb schaltet auf der ersten Auffahrt deshalb schon nach 4 bis 5 Umdrehungen ab. Drehen Sie den zugehörigen Einsteller in Plusrichtung, bis der Rollladen die gewünschte obere Position erreicht.
Wichtig beim Anschluss: Antriebe mit mechanischer Endabschaltung dürfen nicht parallel an eine Bedienstelle angeschlossen werden. Die Entladung des Kondensators kann die Endschalter beschädigen, der Antrieb fährt dann über die Endlagen hinaus.
Typ M17: keine Programmierung nötig
Der M17 erkennt beide Endlagen selbsttätig über den Drehmomentanstieg. Oben braucht er dafür einen definierten Anschlag, also Winkelleiste oder Stopper, unten feste Wellenverbinder, die einrasten und den Rollladen auf die Fensterbank drücken. Installationsfahrten oder Programmierungen sind bei diesem Typ nicht vorgesehen.
Elektronikantriebe: R(+), PicoR+, RO+, RP(+) und PR+
Diese Antriebe erkennen ihre Endlagen weitgehend selbst. Gemeinsam gilt: Für die obere Endlage muss ein definierter Anschlag vorhanden sein, bei Installation mit Federn wirken diese unten gegen die Drehbewegung der Welle und werden im Abstand von etwa 30 cm montiert, bei Hochschiebesicherungen müssen diese eingerastet sein und den Rollladen auf die Fensterbank drücken.
R(+) und PicoR+: Fahren Sie den Rollladen zuerst gegen die obere Endlage, bis der Antrieb selbsttätig abschaltet, danach gegen die untere Endlage. Der PicoR+ lernt zusätzlich den Fahrweg, dazu fahren Sie noch einmal ohne Unterbrechung gegen die obere Endlage. Gelöscht wird mit dem Einstellset: Programmiertaste drücken, bis der Antrieb 2 Mal klackt.
RO+ und E02: Obere Endlage gegen den Anschlag anfahren, untere Endlage in Abrichtung, bis der Antrieb über den Rückstau der Federn oder das Blockieren der Hochschiebesicherung abschaltet. Gelöscht wird über das Einstellset oder über die Löschsequenz am Bedienelement.
RP(+) und PR+: Diese Typen sind Punkt zu Punkt programmierbar. Sie können die Endlage also entweder gegen den Anschlag fahren oder an einer frei gewählten Position setzen, indem Sie dort die Programmiertaste am Einstellset drücken, bis der Antrieb 1 Mal klackt. Beim PR+ lassen sich die Endlagen zusätzlich über zwei Schalter am Antriebskopf setzen.
Löschsequenz am Einstellset, sie ist bei allen diesen Typen gleich: Programmiertaste drücken und gedrückt halten, Richtungstaste drücken und gedrückt halten, Programmiertaste loslassen, Programmiertaste noch einmal drücken, bis der Antrieb 2 Mal klackt. Steht der Antrieb zwischen den Endlagen, werden beide gelöscht, steht er in einer Endlage, nur diese.
Neuere Antriebe: E01, E03, E14 und EVO 20 R
Bei diesen Typen können Sie die Endlagen wahlweise mit dem Einstellset oder mit dem vorhandenen Bedienelement setzen.
Mit dem Einstellset: Zu Anschlag fahren Sie einfach gegen den Anschlag, bis der Antrieb stoppt. Zu Punkt fahren Sie die gewünschte Position an und drücken die Programmiertaste, bis der Antrieb 1 Mal klackt. Der EVO 20 R quittiert statt zu klacken mit einer kurzen Auf- und Abbewegung.
Mit dem Bedienelement: Zu Anschlag genauso gegen den Anschlag fahren. Zu Punkt fahren Sie in die gewünschte Endlage, danach 2 Mal kurz in die Gegenrichtung und anschließend wieder in die ursprüngliche Richtung, bis der Antrieb stoppt und 1 Mal quittiert.
Fehlt eine Endlage, zeigt der Antrieb das mit einer kurzen Fahrtunterbrechung an, Becker nennt das Endlagen-Status-Indikator. Erst wenn die Endlagen 3 Mal hintereinander einwandfrei erkannt wurden, also nach drei kompletten Auf- und Abfahrten, speichert der Antrieb sie endgültig. Auf der ersten Auffahrt fährt er außerdem mit verminderter Kraft und kann bei knapper Auslegung vor der oberen Endlage stehen bleiben. Ein kurzer Gegenbefehl genügt, danach läuft er weiter.
Sonderfunktionen aktivieren
- Festfrierschutz oben: In der oberen Endlage die Fahrtaste weiter gedrückt halten und zusätzlich die Programmiertaste drücken, bis der Antrieb 3 Mal quittiert. Alternativ zwischen den Endlagen die Programmiertaste 10 Sekunden drücken. Der Rollladen stoppt danach kurz vor der oberen Endlage und fährt nur noch jedes 32. Mal gegen den Anschlag.
- Fliegengitterschutz: Aus der oberen Endlage herausfahren und innerhalb einer Sekunde zusätzlich zur Fahrtaste die Programmiertaste drücken, bis der Antrieb 3 Mal quittiert.
- Fahrprofile beim EVO 20 R: Standardbetrieb mit langsamer Fahrt vor den Endlagen, Flüsterbetrieb mit durchgängig reduzierter Drehzahl und Dynamikbetrieb mit hoher Drehzahl. Umgeschaltet wird über eine kurze Tastensequenz aus einer mittleren Position heraus. Antriebe mit dem Zusatz BT lassen sich zusätzlich über Bluetooth mit der Becker Service App einstellen.
Funkantriebe haben ein eigenes Verfahren
Die Typen RF(+), PRF+, PROF+, C01 und B01 haben einen eingebauten Funkempfänger und werden nicht über das Einstellset, sondern über den Handsender programmiert. Dazu gehören das Einlernen des Mastersenders, das Setzen der Endlagen mit Programmier- und Richtungstaste und die Zwischenposition per Doppeltipp. Das steht ausführlich in der zweiten Anleitung: Becker Funkantrieb einlernen: Mastersender, Endlagen und Zwischenposition.
Worauf Sie beim Anschluss achten müssen
- Antriebe mit mechanischer Endabschaltung dürfen nicht parallel an eine Bedienstelle.
- Antriebe mit elektronischer Endabschaltung dürfen parallel geschaltet werden, je nach Stromaufnahme sollten es aber nicht mehr als etwa 5 Antriebe sein.
- Die Umschaltzeit beim Laufrichtungswechsel muss mindestens 0,5 Sekunden betragen.
- Schalter und Steuerungen dürfen niemals gleichzeitig AUF und AB geben.
- Alle Becker Rohrantriebe arbeiten im Kurzzeitbetrieb S2, nach 4 Minuten Dauerbetrieb braucht der Motor eine Abkühlphase.
Wann es kein Einstellproblem ist
An diesen Anzeichen erkennen Sie einen echten Defekt, den keine Programmierung behebt:
- Der Motor brummt, bewegt sich aber nicht.
- Er fährt nur hoch, wenn Sie von Hand nachhelfen.
- Er läuft nur in eine Richtung, obwohl beide Richtungen am Schalter ankommen.
- Er rutscht durch oder hält den Behang nicht mehr, die Bremse greift nicht.
- Er reagiert überhaupt nicht mehr, obwohl Spannung anliegt.
In diesen Fällen hilft die Reparatur. Passenden Antrieb finden Sie unter Becker Rohrmotor Reparatur oder über die Reparatur finden Auswahl nach Hersteller, Serie und Fehlerbild.
Nach der Reparatur neu einstellen
Jeder reparierte Antrieb kommt im Werkszustand zurück. Das heißt: Die Endlagen sind gelöscht und müssen neu gesetzt werden, bei Funkantrieben muss zusätzlich der Handsender neu eingelernt werden. Genau dafür ist diese Anleitung gedacht, arbeiten Sie den Abschnitt zu Ihrem Antriebstyp einfach von oben nach unten durch.
Häufige Fragen
Wie lösche ich die Endlagen bei einem Becker Rohrmotor?
Bei den Typen mit Einstellset: Programmiertaste drücken und halten, Richtungstaste drücken und halten, Programmiertaste loslassen, Programmiertaste noch einmal drücken, bis der Antrieb 2 Mal klackt. Bei den neueren Elektronikantrieben geht es auch ohne Einstellset: 6 Sekunden in eine Richtung fahren, dann sieben kurze Fahrbefehle und den achten halten.
Brauche ich zwingend ein Becker Einstellset?
Nein. Bei den mechanischen Typen stellen Sie die Endlagen an den Einstellern ein, bei den neueren Elektronikantrieben genügt das vorhandene Bedienelement, und Funkantriebe werden ohnehin über den Handsender programmiert. Das Einstellset ist aber der schnellste Weg, um einen unbekannten Antriebstyp sicher zu bestimmen.
Woran erkenne ich, ob mein Becker Antrieb mechanisch oder elektronisch ist?
Am Typenschild: Ein M in der Typenbezeichnung steht für mechanische Endabschaltung, ein R für elektronische Endabschaltung. Am Antrieb selbst erkennen Sie mechanische Typen an den beiden Einstellern für die Endschalter.
Mein Becker Rollladen stoppt kurz vor oben, was ist das?
Wenn er dabei stets an derselben Stelle kurz stoppt und weiterfährt, meldet der Antrieb eine fehlende Endlage. Erst nach drei sauberen Auf- und Abfahrten speichert er die Endlagen endgültig. Möglich ist auch der aktivierte Festfrierschutz, dann fährt der Rollladen bewusst nur jede 32. Fahrt bis gegen den Anschlag.
Warum bleibt der Antrieb bei der ersten Auffahrt stehen?
Auf der Installationsfahrt fährt der Antrieb aus Sicherheitsgründen mit verminderter Kraft. Bei knapper Auslegung bleibt er dann vor der oberen Endlage stehen. Ein kurzer Gegenbefehl genügt, danach fährt er bis zur Endlage durch.
Kann ich zwei Becker Motoren an einen Schalter hängen?
Nur bei elektronischer Endabschaltung, und auch dann sollten es je nach Stromaufnahme nicht mehr als etwa 5 Antriebe sein. Antriebe mit mechanischer Endabschaltung dürfen nicht parallel geschaltet werden, sonst können die Endschalter beschädigt werden.
Woher weiß ich das Baujahr meines Antriebs?
Aus der Seriennummer auf dem Typenschild. Die ersten beiden Ziffern sind das Jahr, die nächsten beiden die Kalenderwoche, danach folgt die laufende Nummer.
Was kostet die Reparatur eines Becker Rohrmotors?
Die Reparatur startet bei 29 € und liegt damit deutlich unter dem Neupreis. Wir reparieren am Eingangstag und geben 24 Monate Garantie. Den passenden Antrieb wählen Sie unter Becker Rohrmotor Reparatur.
Quellen
Becker Monteurhandbuch, Ausgabe mit den Antriebstypen M, M17, PicoR+, R(+), RO+, RP(+), PR+, E01, E02, E03, E14, EVO 20 R, PRF+, PROF+, C01 und B01.
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